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Hoch die rote Fahne!
• • • • • (bewertet mit 5 von 5 Punkten)
Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Völker Hört die Signale (Audio CD) Eine hervorragende Idee hatten da einige deutsche sozialdemokratische Abgeordnete des Europa-Parlaments zu Beginn der neunziger Jahre: Warum nicht aus jedem der (damals) zwölf EU-Staaten ein besonders schönes oder bedeutendes Arbeiterlied auswählen, für eine professionelle Einspielung sorgen und das Ganze zusammen veröffentlichen? Gesagt, getan - und das Ergebnis konnte sich mehr als hören lassen.
Es sind die etwas anderen Nationalhymnen Europas, denen man hier begegnet; und wie Nationalhymnen haben auch diese Lieder ihren betont eigenen Charme und ihre eigene Geschichte: "The red flag", lange Zeit offizielles Lied der britischen Labour-Partei, wird zur Melodie von "O Tannenbaum" gesungen. "Le temps des cerises", eigentlich ein Liebeslied, wurde zu einem Kampflied der Pariser Kommune und, mehr als hundert Jahre später, ein beliebtes Lied bei den Anhängern François Mitterands. Aus Irland erfreut der Chor der Guiness-Brauerei mit dem Gewerkschaftslied "The watchword of labour", Deutschland ist - natürlich - mit "Brüder, zur Sonne, zur Freiheit" vertreten, einem ursprünglich aus Russland stammendem Lied. Die Auswahl ist insgesamt sehr gelungen, wobei aus Italien vielleicht "Bandiera rossa" eine bessere Alternative zum Partisanenlied "Bella Ciao" gewesen wäre. Sehr erfreulich ist zudem, dass mit dem schwungvollen "Arbetlose-Marsch" ein Lied der jiddischen Arbeiterbewegung Eingang in diese CD gefunden hat. Auch sind sämtliche Einspielungen musikalisch überzeugend; zumeist singen Arbeiterchöre oder der Arbeiterbewegung nahe stehende Liedermacher. Als Zugabe gibt's die Internationale, einmal in der deutschen und einmal in der französischen Originalversion.
Das beigefügte Büchlein enthält die Texte der Lieder in Originalsprache und einige (wenn auch sehr knapp bemessene) Hintergrundinformationen. Man muss kein Fahnen schwingender Arbeiter oder eingefleischter Sozialdemokrat sein, um die Musik dieser grossen europäischen Volkstradition zu geniessen. Auch gewöhnliche Bürgerliche und liberale Unternehmer dürften an diesen Aufnahmen Freude finden. Daher wäre nach diversen EU-Erweiterungen eine weitere CD dieser Art sehr zu begrüssen, vielleicht sogar ergänzt mit Arbeiterliedern aus Russland oder Nordamerika. Bis diese vorliegt, heisst es für diese Einspielung zunächst einmal: Europe, twelve points. L'Europe, douze points!
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 19. Dezember 2007 | | | | | | | |
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